CSU besichtigt Arber-Bergbahn – erster Auszubildender zum Seilbahntechniker

Großer Arber. Bei einem kürzlich von der CSU am Großen Arber initiierten Tourismus-Symposium konnten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sehr informative Einblicke hinter die Kulissen der Arber-Bergbahn gewinnen. Bergbahn-Mitarbeiter Stefan Beywl und Andreas Stadler konnten mit allerlei Fakten und Zahlen aufwarten, besonders beeindruckte dabei der Fuhrpark.
Bevor Stefan Beywl die Besucherschar im Rahmen einer ausführlichen Technikführung durch die verschiedenen Bereiche der Bergbahn führte, bedankte sich Alexander Hannes, der zur Betriebsbesichtigung und dem anschließenden Tourismus-Symposium eingeladen hatte, bei Andreas Stadler, der für das Marketing und die Kommunikation bei der Arber-Bergbahn verantwortlich ist und für die Interessierten ein abwechslungsreiches Programm zusammengestellt hatte. Eingangs informierte Beywl über die 6-er Sesselbahn mit automatischen Schließbügeln, die nach Liftbetrieb in einem mit Abwärme geheizten Lager aufbewahrt werden. Im Jahr 2002 wurde die 6er-Nordhang-Sesselbahn errichtet, im Jahr 2005 folgte sodann die 6 er Sonnenhang Sesselbahn. Nicht schlecht staunten die Besucher, als sie die Förderleistung der Gondel- und Sesselbahn pro Stunde erfuhren: 6900 Personen. Die 6-er Gondelbahn fahre dabei mit einer Geschwindigkeit von 5 Meter pro Sekunde, wobei sie im Sommer auf 3 Meter pro Sekunde reduziert wird, um „die Fahrt zu genießen, vor allem auch in Hinblick auf die Gäste, die die Aussicht genießen wollen“, berichtete Beywl.

„Hier am Revisionsstand werden von uns so viele Wartungsarbeiten wie möglich durchgeführt“, erläutert Stefan Beywl. Besonders freue man sich, dass man dieses Jahr zum ersten Mal einen jungen Mann gefunden habe, der bei der Arber-Bergbahn zum Seilbahntechniker ausgebildet wird. Seit 2012 ist der Beruf des Seilbahntechnikers ein Ausbildungsberuft, zuvor konnte man sich im Rahmen von Fortbildungen zum Maschinisten fortbilden. Rund 30 „Seilbahner“ seien im Sommer im Einsatz, im Winter gebe es sieben Tage pro Woche Betrieb. „Langweilig wird uns aber trotzdem nicht“, verkündete Stefan Beywl mit einem Augenzwinkern und sprach beispielsweise von einer Revisionszeit von lediglich vier Wochen, die den Angestellten der Arber-Bergbahn zur Verfügung stünde. „Auch die TÜV-Auflagen sind sehr groß und jedes Jahr werden unsere Anlagen rund eine Woche auf Herz und Nieren geprüft.“, sagte Beywl und fügte hinzu, dass sie vor allem auf das erteilte Sigel „SIS“ (Sicherheit im Skisport) stolz seien, das der Arber-Bergbahn in Punkto Sicherheit ein „besser geht es nicht mehr“ attestiert habe.
Andreas Stadler beleuchtete die Technikführung unter dem Gesichtspunkt der Ausrichtung des Großen Arbers, der sich von seinem Image eines reinen Sport-Berges immer weiter hin zu einem Familien-Berg wandle. Außerdem betonte Stalder, dass trotz des umfangreichen und professionellen Angebots die Liftpreise moderat seien und zog hierbei einen Vergleich zu Skigebieten in Österreich. „In den letzten 20 Jahren flossen rund 30 Millionen in Investitionen am Großen Arber“, wurde den Besuchern anhand von Pistenpflege und Gebäuden aufgezeigt.

Nochmal ziemlich technisch, aber nicht weniger beeindruckend, zeigte sich die Besichtigung der Pumpstation zur Versorgung der 50 Beschneiungsanlagen sowie des Fuhrparks mit den vier Pistenmaschinen. Und Stefan Beywl stellte gleich zu Beginn klar: „Wir produzieren hier keinen Kunstschnee, sondern Maschinenschnee und das seit 1994. Wir verwenden zur Erzeugung des Maschinenschnees nur Luft und Wasser, auch wenn es anderslautend oft heißt, dass chemische Zusätze verwendet würden.“ Den Maschinenschnee brauche heutzutage laut Beywl eine jede gut präparierte Piste, da der normale Schnee nicht ausreiche. Er gab dabei zu bedenken, dass der Gast für perfekte Skipisten bezahle und man eine harte und griffige Oberfläche herstellen müsse, um ein attraktives und sicheres Skivergnügen zu garantierten. Bei rund 7000 Skifahrern täglich im Winter gebe es rund einen Meter Schneebewegung, die nachts durch das Pisten-Team wieder ausgeglichen werden müsse. „Pro Sekunde werden 120 Liter auf die Strecke geschleudert“, erzählt Beywl, „das ist ungefähr eine Badewanne“. Das Wasser wird etwa aus dem 14.000 Kubikmeter fassenden Beschneiungsteich gewonnen.
Natürlich ging Bergbahn-Mitarbeiter Stefan Beywl auch auf die Umwelt-Aspekte ein und berichtete von einem Wasserkraftwerk sowie von einer Photovoltaik-Anlage und hob dabei hervor, dass rund 80% der benötigten Energie autark erzeugt würden.

Ein modernes Flottenmanagement gebe den Pistenfahrzeugfahrern detaillierte und GPS-gestützte Daten in Echtzeit beispielsweise zur Schneedicke, sodass eine Piste optimal präpariert werden kann. Mit nur rund 20 Litern Verbrauch pro Betriebsstunde sind die 400 PS starken Pistenfahrzeuge auch mit Windenseilen unterhalb des Gipfels befestigt auf der Piste unterwegs. „Hier wird es sehr gefährlich“, warnte Stefan Beywl, „wenn ein Fahrzeug mit rund vier Tonnen Zugkraft bis zu 1000 Meter vom Ankerpunkt entfernt auf der Piste unterwegs ist; so kann das Stahlseil bis zu 60 Meter nach links und rechts schwingen, was eine tödliche Gefahr für Leute darstellt, die unerlaubt nachts im Pistengebiet unterwegs sind.“ Obwohl bis 22 Uhr keine Pistenraupen in Einsatz und die Pisten nach Betriebsschluss offiziell gesperrt seien, habe man immer wieder Probleme mit Skitourengeher, die bis tief in die Nacht unterwegs seien. Die Verantwortlichen der Arber-Bergbahn appellieren eindringlich, nicht außerhalb der Betriebszeiten im Pistengebiet unterwegs zu sein.
Nach vielen interessanten Fakten und Zahlen machte sich die Besuchergruppe noch mit der Gondelbahn auf den Gipfel des Großen Arber auf. Zum Abschluss führte Stefan Beywl die Besucher noch mit einer kleinen Wanderung zum Thema Flora und Fauna rund um den Gipfel, wonach dem gesamten Bergbahn-Team, das zum Gelingen dieses Tages beitragen hatte, kräftiger Applaus gespendet wurde. -dw

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