Junge Union besucht Länderbahn – Positive Entwicklung der Bahnstrecke Gotteszell-Viechtach

Gotteszell/Viechtach. Die Junge Union im Landkreis Regen will die Mobilität im Landkreis vorantreiben. Die CSU-Nachwuchsorganisation besuchte am Wochenende die Regentalwerke der Länderbahn in Viechtach und informierte sich über die Bahnstrecke Gotteszell-Viechtach. Begleitet wurden die Nachwuchspolitiker von Wanderbahn-Vorsitzendem Arnulf Baier und der Netzwerkmanagerin der Europaregion Donau-Moldau, Jaroslava Pongratz.
Der Mobilitätstag der JU startete in Gotteszell mit einer Bahnfahrt nach Viechtach. Kreisvorsitzender Alexander Hannes konnte hier die Kandidaten für den JU-Bezirksvorsitz, Michaela Lochner (Landshut) und Benjamin Taitsch (Dingolfing-Landau), begrüßen, die sich über die seit September 2016 reaktivierte Bahnverbindung informieren wollten. Wanderbahn-Chef Baier erläuterte die Besonderheiten der Strecke: 1991 wurde der regelmäßige Personenverkehr nach Viechtach eingestellt, während die Zubringerlinien nach Bodenmais und Grafenau weiterbetrieben wurden. Sofort habe man die Initiative ergriffen und die Wanderbahn gegründet. „Im April 91 wurde der Bahnbetrieb eingestellt, bereits im August sind wir sonntags mit der Wanderbahn gefahren. Das ging damals mit erfreulich wenig Bürokratie.“, erinnert sich Baier. Die Wanderbahn verkehrt bis heute auf der 25 Kilometer langen, länderbahneigenen Strecke. Das Hauptnetz gehört hingegen der Deutschen Bahn.

Dass die Bahnlinie besonderes touristisches Potenzial hat, davon konnten sich die Teilnehmer bei der Fahrt durch „Bayerisch Kanada“ entlang des Regens überzeugen. Viele Wanderer stiegen während der Fahrt zu oder aus. „Am komfortabelsten erreicht man die Wanderwege durch das Regental mit der Bahn. Gerade am Haltepunkt Gumpenried nutzen viele Wanderer die Waldbahn.“, so Baier. Laut dem Verein zur Förderung nachhaltiger Mobilität zwischen Gotteszell und Viechtach e.V., kurz Go-Vit, werden inzwischen durchschnittlich 750 Fahrgäste täglich befördert; mit Bussen sei das Regental und ähnlich hohe Fahrgastzahlen hingegen nicht zu erreichen. CSU-Kreisgeschäftsführer Florian Wiesmüller sieht die Zuganbindung bis nach Viechtach positiv: „Diese Bahnverbindung stärkt Tourismus und Mobilität im Landkreis und ermöglicht auch weite Bahnreisen ab und speziell für Urlauber aus den Ballungszentren nach Viechtach.“

Am Bahnhof Viechtach angekommen wurde die Reisegruppe von Länderbahn-Werkstattleiter Christian Geiger und Michael Pfeffer, Mitarbeiter für Marketing und Vertrieb, empfangen. „Die Länderbahn beschäftigt in Viechtach rund 100 Mitarbeiter, davon arbeiten 34 in der Werkstatt“, erläutert Pfeffer beim Rundgang durch das bereits 1889 in Viechtach gegründete Unternehmen, zu der heute neben der Waldbahn die Marken Oberpfalzbahn, Vogtlandbahn und Alex gehören. Letzterer verkehrt von Lindau am Bodensee bis Hof bzw. Prag. Insgesamt fährt die Länderbahn mit ihren knapp 1000 Mitarbeitern rund 21. Mio. Schienenkilometer in 264 Zügen in Deutschland und Tschechien. Am Werk in Viechtach werden Hauptuntersuchungen und größere Revisionsarbeiten, wie Ersatz der Drehgestelle und Räder, vorgenommen. Zudem verfügt der Standort Viechtach über die Eignungsbescheinigung zum Schweißen an Schienenfahrzeugen. Kleinere Wartungsarbeiten der zwölf Triebwagen starken Waldbahn-Flotte führe man in der Werkstatt in Zwiesel durch, erläuterte Werkleiter Geiger. Neben Mitarbeitern in der Verwaltung und dem „fahrenden Personal“ als Triebfahrzeugführer und Fahrgastbetreuer gehören Elektroniker und Industriemechaniker zu den Berufsbildern in der Werkstatt. „Derzeit suchen wir Mechatroniker und Landmaschinenmechaniker“, betonte Geiger.
Sichtlich beeindruckt waren die JUler bei der Führung durch ein modernes Waldbahn-Shuttle und die nostalgischen Esslinger-Fahrzeuge aus den 1950er Jahren, mit denen die Wanderbahn heute noch verkehrt. Beim „Probesitzen“ im Führerstand erläuterten die Länderbahn-Mitarbeiter die technische Funktionsweise eines Triebwagens.
Bei der abschließenden Präsentation hob Länderbahn-Mitarbeiter Pfeffer die enorme volkswirtschaftliche Bedeutung der Bahnstrecke Gotteszell-Viechtach hervor, in die für den Probebetrieb rund zwei Millionen Euro investiert wurden. So wurden Bahnsteige auf 75 Meter verlängert, um mit bis zu drei gekoppelten Triebwagen entlang der Strecke fahren zu können. Außerdem wurde der Kreuzungsbahnhof in Teisnach und der Bahnhaltepunkt Teisnach - Rohde & Schwarz neu gebaut. Zusätzlich wurden die Schienen zwischen Schnitzmühle und Viechtach erneuert. Alle Triebwagen im Waldbahn-Netz sind mit speziellen Rampen ausgestattet und barrierefrei zugänglich. Durch den Probebetrieb seien 30 zusätzliche Arbeitsplätze entstanden. Christoph Brem von der JU Ruhmannsfelden-Zachenberg, der maßgeblich an der Organisation des Bahnbesuchs mitgewirkt hat, findet: „Auch für die Jugend und deren Zukunft in unserer Heimat ist die Reaktivierung der Bahn wichtig. Dafür wollen wir uns einsetzen.“

Die Entwicklung der Fahrgastzahlen ist laut Pfeffer ebenfalls positiv. So habe man bei einer letzten Fahrgastzählung durch den Förderverein Go-Vit e.V. im Mai 927 Fahrgäste gezählt. Heruntergerechnet auf die Nutzung der gesamten 25 Streckenkilometer befuhren 634 Fahrgäste die gesamte Strecke. Damit ist die Strecke Gotteszell-Viechtach mit Abstand eine der stärksten Nebenstrecke Strecke im Waldbahnnetz und generiere zusätzliche Fahrgäste für die Hauptstrecke Zwiesel-Plattling. Der Bahnhof Gotteszell ist kein Endziel, mehr als dreiviertel der Fahrgäste fahren weiter in Richtung Zwiesel oder Deggendorf, so Pfeffer. Zahlen des Fördervereins Go-Vit bestätigen diese Einschätzung. Das Eisenbahnbundesamt beurteilt Verbesserungs- und Ausbaumaßnahmen einer Bahnstrecke ab 1000 Reisenden pro Streckenkilometer als wirtschaftlich. Da der Schienenweg nach Viechtach für die Regentalwerke weiterhin benötigt und technisch in Stand gehalten wurde, sei die Strecke in gutem Zustand. Baier ist daher überzeugt, man könne die Reaktivierung nicht mit anderen Bahnstrecken vergleichen. Die Investitionskosten seien durch die voll betriebsfähige Strecke viel geringer als bei einem Neubau. Er betonte außerdem, dass es Zeit brauche neue Mobilitätsmöglichkeiten zu etablieren. „Viechtach war 25 Jahre bahnentwöhnt“, brachte er es auf den Punkt. JU-Vorsitzender Hannes stellte heraus: „Der nördliche Landkreis braucht einen Bahnanschluss. Jugend und Senioren profitieren besonders von neuen und umweltfreundlichen Mobilitätsmöglichkeiten.“
Zum Abschluss bedankte sich JU-Chef Hannes für bei der Länderbahn für die Einblicke und zahlreichen Informationen zum Bahnbetrieb. Die JU werde sich für den Regelbetrieb einsetzen. „Die Länderbahn ist für Verkehr, Tourismus und als Arbeitgeber eines der wichtigsten Unternehmen im Bayerischen Wald. So geht Mobilität im Landkreis Regen“, schloss Hannes.

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